Fashion Week Review: London Fashion Week Men’s AW 17

Fashion Week Review: London Fashion Week Men’s AW 17

Wer klassisches Tailoring auf der London Fashion Week Men’s sucht, ist in der englisches Hauptstadt fehl am Platz. Urbane und industrielle Mode ist angesagt! Dazu gesellen sich unvorhersehbare Street Styles und ein gesunder Mix aus Newcomern und Big Names. Highlight der mehrtägigen „Modewoche“ war ohne Zweifel die Rückkehr von Vivienne Westwood. Auf welche Trends und Kollektion ihr euch sonst noch freuen dürft, erfahrt ihr in dieser kompakten Review der London Fashion Week Men’s.

Highlights der London Fashion Week Men's
Craig Green

Craig Green ist der König von England und präsentierte seine Herbst/Winter 17 Kollektion in gewohnt epischer Manier. Der neu gekrönte „British Menwear Designer of the Year blieb sich dabei treu und knüpfte mit seiner Runway Show an die Styles der Spring/Summer 17 Kollektion an. Die Neuerungen liegen dabei im Detail. Neben einzigartigen Interpretationen von Jacken, Hosen und Hüten, überrascht uns Craig Green mit sportlichen Accessoires in Form von Karate-artigen Gürteln und Bändern, sowie barocken Prints und Schärpen.

A-Cold-Wall

Der Streetwear Hype ist real! So viel steht fest. Doch die Gap zwischen Straße und High Fashion zu schließen ist dabei gar nicht so einfach. Labels wie Off-White, Gosha Rubchinskiy oder Vetements haben gezeigt wie es im Idealfall funktioniert und haben den Weg für weitere Hypebeast-Labels geebnet. Doch wer tritt als nächstes in die Fußstapfen dieser Big Names? Ein aussichtsreicher Kanditat ist Samuel Ross, der mit seinem Label A-Cold-Wall seine ersten Auftritt auf der großen, internationalen Fashionbühne feiern durfte. Coole Outerwear mit raffiniert versteckten Prints ist dabei seine Paradedisziplin. Dazu kommen industrielle Accessoires und die heiß ersehnte Air Force 1 Schuh-kollaboration mit Nike.

Vivienne Westwood

Die Mutter der britischen Fashion kehrt zurück nach Hause! Nach jahrelangen Shows in Milan zeigte Vivienne Westwood ihre AW17 Kollektion erstmals wieder in London. In gewohnt provokativer Manier durfte dabei das politische Statement zur Lage der Welt nicht fehlen. Ein ökonomischer Umgang mit Materialien in Zeiten des voranschreitenden Klimawandels, Meinungsfreiheit und die Macht des Volkes sind die Kernthemen der Kollektion, die man für Vivienne Westwood Verhältnisse als sehr strukturiert bezeichnen darf. Kreatives Tailoring mit Retro Einfluessen bleibt dabei die Kernkompetenz der Grande Dame. Gemixt mit Strick, Patchworks und überdimensionalen Jacken werden dabei die traditionellen Silhouetten des Mannes auf den Kopf gestellt.

KTZ

Die unverkennbare DNA von KTZ ist allseits bekannt. Somit war es auch kein Wunder, dass Chefdesigner Marjan Pejoski sich auch dieses Mal treu blieb und mit seiner Fall/Winter 17 Kollektion gewohnt raue und urban-zeitgenössische Töne anschlug. Laut KTZ hat „Black and White“ schon immer funktioniert. Wieso also den sicheren Hafen verlassen? Ein paar Upgrades gab es trotzdem. Neben den typischen Skelett-artigen Looks, gesellten sich dieses Mal helle Military Töne, Strick und Camouflage zum Ensemble. Alles in allem eine gelungene Kollektion, die zwar nicht jeden Geschmack trifft, aber dennoch den nötigen Wiedererkennungswert hat, um eine urban, musik-verrückte Jugend zu repräsentieren. Und das weit über die Grenzen London’s hinaus.

J.W. Anderson

Wie man es innerhalb von 3 Jahren vom Newcomer zu einer festen Größe  im Fashion Business schafft, hat uns Jonathan W. Anderson eindrucksvoll bewiesen. 2015 gewann er den 2015 British Fashion Award. Und das als bester Menswear und Womenswear Designer! Ein Jahr später streamte er seine Show auf der Dating App grindr, brachte eine Linie von Hoodies mit dem renommiertem Fotografen Ian David Baker hinaus und kollaborierte mit keinem geringeren als A$AP Rocky. Kein Wunder also, dass die Fall/Winter 17 Kollektion des gebürtigen Iren mit Spannung erwartet wurde. Kernthema seiner Kollektion: Das Mittelalter. Mit Hilfe von heraldischen Symbolen und Buntglas-Patches wurden postmoderne Looks kreiert, die nicht nur tragbar sind, sonder auch verdammt gut aussehen.

Astrid Andersen
Hand aufs Herz. Besser als Astrid Andersen kann man den opulenten Hip Hop Style der 90er Jahre nicht auf den Runway schmettern. Dabei setzt die gebürtige Dänin auf Luxus von Kopf bis Fuß. Velours und Fell in weiten, fast schon baggy-artige Silhouetten sind die Essenz ihrer Fall/Winter 17 Kollektion und werden so authentisch präsentiert, dass wir uns die Zeiten der großen Hip Hop Mogule der 90er schleunigst wieder zurück wünschen. Passend zum Thema gestaltet sich die Farbpalette kräftig und majestätisch: Gold-braun, creme und königsblau werden stolz mit Animal-Prints und dem ikonischem Label von Astrid Andersen gemixt. Fazit: Der Inbegriff von Luxus scheint zeitlos zu sein.
Liam Hodges

Liam Hodges war die positive Überraschungen auf der London Fashion Week Men’s. Mit seiner industriellen Workwear-Kollektion liefert er unter seinem gleichnamigen Label ein Ensemble an Klamotten ab, das den Zeitgeist-Nagel mitten auf den Kopf trifft. Die Looks verkörpern tragbare Styles mit erkennbaren Details, die sich mühelos mit fetten Prints und wilden Strick-Kreationen ergänzen. Die Silhouetten sind dabei Trend gemäß oversized. Highlight der Kollektion: Daunenjacke- und Hose im orangefarbenen Mix aus Erdtönen. Supreme lässt grüßen!

Fotos: Hersteller, Constant Evolution

Jean-Claude Mpassy
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