Tattoo Session mit Steve Little Fingers

Tattoo Session mit Steve Little Fingers

Vöslauer: Die Geschichte dahinter

Geschichten und Bedeutungen hinter Tattoos gibt es viele. Vöslauer hat es sich nun zur Aufgabe gemacht die Beweggründe hinter meinen herauszufinden. Obendrauf gab’s dann noch ein neues dazu.

Wie bedeutsam ein Tattoo am Ende sein darf oder muss, ist reine Ansichtssache. Verständlicherweise will sich niemand „irgendwas“ stechen lassen, doch spätestens nach dem dritten Tattoo verschwinden die tiefen Bedeutungen und machen Platz für etwas, dass am Ende vielleicht sogar wichtiger ist: Die Erinnerung an bestimmt Lebenssituationen.

Mein erstes Tattoo

Bei meinem ersten Tattoo muss ich 18 oder 19 gewesen sein. Ich fuhr mit einem Freund quer durch Deutschland, um irgendwo in Erkelenz bei Mönchengladbach zu landen. Dort hat Jörn gearbeitet, ein in der Szene bekannter Tätowierer, der damals vor allem die Körper junger Fußball-Bundesligaprofis veredelte. Er war groß, trug stolz seine Glatze und ähnelte vom Aussehen her dem damaligen Berliner Rapper Joe Rilla (falls den noch jemand kennt). Wir saßen also bei Jörn im Studio und ich zeigte ihm meine Entwürfe. Kurze Zeit später legten wir auch schon los. Getreu dem ersten Tattoo, war mir damals die Bedeutung sehr wichtig. Schließlich klebt die Tinte mein Leben lang an meinem Körper. Ich entschied mich mir die Initialen meiner Family stechen zu lassen, in einer eigens designten Schrift.

Als es los ging, merkte ich ehrlich gesagt nicht viel vom eigentlich Akt. Wir philosophierten über Fußball und quatschen über Jörn seine Hooligan Vergangenheit. Er zeigte uns Videos, wie irgendwelche polnischen Fans sich in abgelegene Waldstücken in die Fressen schlugen. Entertainment pur, doch auch irgendwie abgefahren. Aus familiären Gründen stieg Jörn dann irgendwann aus der Szene aus. Grund dafür war sein Sohn, den er mit einem amerikanischen Model hatte. Sie war gross, schwarz und nicht ganz bekannt, so viel sei verraten. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wussten wir jedoch, dass wir in guten Händen waren. Eine Glatze mit Herz findet man schließlich nicht alle Tage.

Die Liebe zur Mode - Spontanes Tattoo in Bayern

Die Geschichte hinter meinem zweiten Tattoo spielte sich im schönen Bayern ab. Vor ca. drei Jahren verbrachte ich einen Monat im kleinen Straubing. Ein Ort, den man nicht zwangsmäßig kennen muss. Zu meiner Verteidigung: Freiwillig war ich nicht dort! Grund war eine Store Eröffnung meines alten Arbeitgebers Strellson. Eines Tages besuchte uns dort eine rothaarige Dame. Für bayrische Verhältnisse extravagant gekleidet, beide ihrer Arme waren mit Sleeves bedeckt. Zu meinem Bedauern habe ich leider ihren Namen vergessen. Wir unterhielten uns und ich erfuhr, dass sie ein Tattoo Studio ums Eck hatte.

Mit gewohnt großer Klappe kündigte ich mich spaßeshalber für den nächsten Tag an. Zu meiner Verwunderung erwiderte sie mein Angebot und machte mir prompt ein Termin frei. Im Zugzwang überlegt ich mir die ganze Nacht,was ich mir stechen lassen sollte. Am Ende wurden es eine große Schneiderschere in Anlehnung an meine Affinität zur Mode und ein Zitat von Constantin Brancusi. Das Ganze in französisch versteht sich, der Sprache meines Vaters: „Crée comme Dieu, ordonne comme un roi, travaille comme un esclave !“

Tattoo Session: Steve Little Fingers X Vöslauer

Steve und ich trafen uns zum ersten Mal vor etwa einem Monat. Ehrlich gesagt wusste ich nicht viel über ihn. Nur dass mir seine Arbeiten bei jedem Lunchbreak ins Auge stachen und er so heimlich „Hallo“ winkten. Klingt irgendwie gruselig! Um mehr zu erfahren stalkte ich kurzerhand sein Instagram-Profil, das moderne Portfolio eines jeden Kreativlings. Seine Arbeiten waren klassisch. Steve selbst ist ein Verfechter von Old School Motiven. Nach langem hin und her entwickelten wir ein Motiv, auf das wir beide stolz sind. Das Resultat seht ihr im Video.

Fotos & Video: Constant Evolution

In freundlicher Zusammenarbeit mit Vöslauer

Jean-Claude Mpassy
AUTOR

Jean-Claude Mpassy

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